Wenn man heute über günstigen Fernverkehr in Deutschland spricht, landet man ziemlich schnell bei FlixTrain.
Die grünen Züge gehören inzwischen irgendwie dazu. Mal günstig. Mal überraschend voll. Mal verspätet. Und manchmal ehrlich gesagt alles gleichzeitig.
Aber genau das macht FlixTrain interessant. Denn der Anbieter hat den deutschen Fernverkehr ziemlich verändert vor allem beim Thema Preise.
Wie FlixTrain überhaupt entstanden ist
Die Geschichte von FlixTrain beginnt eigentlich gar nicht mit Zügen.
Sondern mit FlixBus.
Nach der Fernbus-Liberalisierung in Deutschland ist FlixBus extrem schnell gewachsen. Irgendwann kam dann die Idee:
Warum nicht auch auf die Schiene?
2018 startete FlixTrain offiziell im größeren Stil. Wobei die ersten Verbindungen teilweise noch unter anderen Namen liefen.
Zum Beispiel:
- HKX (Hamburg-Köln-Express)
- Locomore
- später verschiedene Kooperationen mit privaten Eisenbahnunternehmen
Und ehrlich die Anfangszeit war ziemlich wild.
Teilweise alte Wagen. Unterschiedliche Betreiber. Neue Strecken. Ständige Änderungen.
Aber genau dadurch hat sich FlixTrain überhaupt erstmal im Fernverkehr festgesetzt.
Die alten FlixTrain-Linien

Einige frühere Strecken gibt es heute nicht mehr oder sie wurden stark verändert.
Zu den bekannten alten Linien gehörten unter anderem:
- Hamburg – Köln
- Stuttgart – Berlin
- Berlin – Aachen
- München – Köln
- Hamburg – Stuttgart
Dazu kamen zeitweise Sonderhalte und saisonale Anpassungen.
Manche Strecken liefen gut. Andere eher weniger.
FlixTrain hat sein Netz in den letzten Jahren mehrfach umgebaut. Das merkt man bis heute.
Welche Linien FlixTrain heute fährt

Inzwischen konzentriert sich FlixTrain stärker auf große Hauptachsen.
Dazu gehören vor allem:
- Berlin – Hamburg
- Berlin – Köln
- Berlin – Stuttgart
- Hamburg – Köln
- Leipzig – Berlin
- Aachen – Berlin
- Basel – Berlin
- Dresden – Berlin
Teilweise fahren die Züge weiter bis:
- Wiesbaden
- Baden-Baden
- Basel
- Karlsruhe
Das Netz ist kleiner als bei der Deutsche Bahn, aber auf einzelnen Strecken inzwischen ziemlich etabliert.
Das Wichtigste bei FlixTrain: die Tarife
Und genau hier wird’s spannend.
Denn FlixTrain funktioniert tariflich komplett anders als die Deutsche Bahn.
Kein Deutschlandticket. Keine BahnCard.

Das muss man direkt klar sagen.
Im FlixTrain gelten NICHT:
- Deutschlandticket
- Verbundtickets
- Nahverkehrstarife
- BahnCard 25
- BahnCard 50
- BahnBonus-Vorteile
FlixTrain hat seinen komplett eigenen Tarif.
Das sorgt manchmal für Verwirrung.
Vor allem bei Leuten, die denken:
„Ist doch ein Zug, wird schon gehen.“
Tja. Eher nicht.
Wie die Preise funktionieren
Das System ist relativ simpel:
👉 früh buchen = günstig
👉 spät buchen = teuer
Also ähnlich wie bei Flugtickets.
Teilweise bekommt man Fahrten schon ab:
- 4,99 Euro
- 7,99 Euro
- 9,99 Euro
Wenn man rechtzeitig sucht.
Kurz vor Abfahrt können dieselben Züge aber plötzlich deutlich teurer werden.
Und ja manchmal kostet FlixTrain dann fast so viel wie ein ICE-Sparpreis.
Sitzplatzreservierung bei FlixTrain etwas anders als bei der DB

Ein Punkt wird bei FlixTrain oft falsch verstanden:
Eine Sitzplatzreservierung ist dort bereits im Ticket enthalten.
Heißt:
Du bekommst grundsätzlich immer einen Platz zugewiesen. Einfach irgendwo ohne Reservierung sitzen wie im Regionalverkehr gibt’s bei FlixTrain normalerweise nicht.
Allerdings kannst du gegen Aufpreis bestimmte Sitzplätze auswählen oder Zusatzoptionen buchen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- ein fester Wunschplatz
- ein Sitzplatz mit mehr Beinfreiheit
- ein Platz neben einem freien Nebensitz
- teilweise auch bestimmte Wagenbereiche
Das erinnert ehrlich gesagt eher an Airlines als an klassischen Bahnverkehr.
Wer einfach nur günstig fahren will, nimmt den automatisch zugewiesenen Platz.
Wer etwas mehr Ruhe oder Komfort möchte, zahlt eben extra drauf.
Gerade auf langen Strecken kann sich das durchaus lohnen — besonders wenn man nicht fünf Stunden lang halb eingeklappt am Fenster sitzen möchte.
Die Fahrzeuge ein bisschen Retro-Gefühl
FlixTrain fährt größtenteils mit modernisierten ehemaligen Reisezugwagen.
Also keine neuen ICE-Züge.
Viele Wagen stammen ursprünglich von:
- der Deutschen Bahn
- früheren InterRegio- oder IC-Wagen
- anderen europäischen Bahnen
Das merkt man teilweise schon.
Mehr Steckdosen als früher, WLAN inzwischen oft vorhanden — aber eben kein Hochgeschwindigkeits-Luxus.
Manche feiern genau das. Andere eher nicht.
Ein bisschen Retro-Bahngefühl ist jedenfalls meistens dabei.
Warum FlixTrain überhaupt wichtig geworden ist

Ganz einfach:
Der Anbieter hat Druck auf die Preise gebracht.
Vor FlixTrain war günstiger Fernverkehr in Deutschland deutlich schwieriger.
Gerade auf Strecken wie:
- Berlin – Köln
- Hamburg – Berlin
- Stuttgart – Berlin
hat FlixTrain gezeigt, dass viele Leute einfach nur günstig reisen wollen.
Nicht jeder braucht:
- Lounges
- Bordrestaurants
- Premiumsitze
- Businessbereich
Manche wollen einfach nur billig ankommen.
Die typischen Probleme bei FlixTrain
Natürlich läuft nicht alles perfekt.
Kritik gibt es regelmäßig bei:
- Verspätungen
- Fahrzeugproblemen
- Kaum Alternative Verbindungen
- begrenztem Platzangebot
- teilweise langen Standzeiten
Dazu kommt:
Das Netz ist deutlich kleiner als bei der DB.
Wenn ein Zug ausfällt, gibt es oft nicht einfach „den nächsten FlixTrain in 20 Minuten“.
Das macht Reisen manchmal etwas riskanter.
Fahrgastrechte bei FlixTrain

Die normalen europäischen Fahrgastrechte gelten natürlich trotzdem.
Heißt unter anderem:
- Entschädigung ab 60 Minuten Verspätung
- Hilfe bei Ausfällen
- alternative Beförderung unter bestimmten Bedingungen
Aber:
FlixTrain ist tariflich komplett eigenständig.
Ein DB-Ticket hilft dir dort nicht weiter und umgekehrt genauso wenig.
Buchung, App oder Automat
Tickets gibt es direkt über:
- die FlixTrain-App
- die Website
- teilweise über Drittanbieter
- Automat
Die Buchung ist relativ einfach gehalten. Eher wie bei Airlines oder Fernbussen.
Fazit
FlixTrain ist nicht einfach „die günstige Bahn“.
Der Anbieter hat den deutschen Fernverkehr tatsächlich verändert.
Vor allem tariflich.
Denn plötzlich gab es ernsthafte Konkurrenz zu klassischen ICE-Sparpreisen. Und genau dadurch mussten sich auch andere Anbieter bewegen.
Klar:
FlixTrain ist nicht perfekt. Teilweise improvisiert. Teilweise chaotisch. Manchmal überraschend günstig. Manchmal überraschend verspätet.
Aber irgendwie passt genau das zum Konzept.
Und ehrlich:
Für 9,99 Euro quer durch Deutschland sitzen viele Leute auch mal entspannt in einem ehemaligen InterRegio-Wagen und denken sich:
„Gut. Dafür kann man echt nicht meckern.“


Hinterlasse einen Kommentar